Al-Khiana: Untreue und Verrat

In der heutigen Khutba wird die Vortragsreihe über die Krankheiten des Herzens fortgeführt. Dabei soll zunächst auf den Hadith verwiesen werden, in dem es heißt:
„Es gibt im Körper ein Stück Fleisch. Wenn dieses Stück Fleisch schlecht ist, so ist der ganze Körper und damit die Handlungen schlecht, und wenn dieses Stück Fleisch gut ist, so ist der ganze Körper gut und damit die Handlungen. Dieses Stück Fleisch ist das Herz.“[Quelle: Al-Buchārī]

Die Krankheiten Neid, Hochmut, Habgier und Heuchelei waren bereits Thema der vorangegangen Predigten. Betrachtet man alle genannten Krankheiten, fällt eine Gemeinsamkeit auf: Sie sind nicht nur schlecht sondern geben auch den Anreiz Schlechtes zu tun. Mit anderen Worten sobald die Krankheit das Herz und den Körper befällt, wirkt sich dies auf die Handlungen aus. Vor zwei Wochen hatten wird über die Krankheit der Heuchelei gesprochen. Und wir haben uns den Hadith zu Herzen genommen in dem der Prophet Muhammed (s.a.s) sagte:

“Die Kennzeichen eines Heuchlers sind drei: Wenn er spricht, lügt er; wenn er etwas verspricht, bricht er sein Versprechen; wenn man ihm etwas anvertraut, verhält er sich untreu.“ [Quelle: Al-Buchārī ]
Heute soll über eine weitere Krankheit gesprochen werden, die große Auswirkung auf das gesellschaftliche Leben hat. Der Verrat oder die Untreue (auf Arabisch: Al-Khianah). Sie ist das Gegenteil von Al-Amanah („Anvertrautes Gut“). Der Verrat ist ein Zeichen der Heuchelei, wie es im oben genannten Hadith heißt: “… Wenn man ihm etwas anvertraut, verhält er sich untreu.“. Anhand dessen dass in vielen Ländern Untreue oder Verrat strafrechtlich verfolgt wird, kann man das Ausmaß dieser Sünde sehen. Demnach hat diese Tat einen gewaltigen Einfluss auf die Gesellschaft.

Untreue bedeutet in etwa im Geheimen oder offenkundig ein Gut anvertraut zu bekommen und anschließend durch einen Vertrauensbruch zu missbrauchen. Dadurch wird auch die Beziehung und Intimität zweier Personen zerstört.

Im Islam heißt es, dass die Untreue eine hässliche Schande ist, die die Verwandtschaftsbande zerschneidet. Und in vielen Versen des Korans, in denen es um die Untreue geht, steht explizit dass Allah die Verräter nicht liebt. So heißt es: „Wahrlich Allah verteidigt jene, die gläubig sind. Gewiss, Allah liebt keinen Treulosen, Undankbaren.“ [22:38] Das bedeutet also ,dass derjenige der diese Krankheit oder Eigenschaft in sich trägt ausgeschlossen ist von der Liebe Allahs.
Weiterhin heißt es: „Allah legt denen, die ungläubig sind, das Beispiel von Noahs Frau und von Lots Frau vor: Diese waren unter zwei Unserer rechtschaffenen Diener, doch sie handelten untreu an ihnen. Darum nützten sie ihnen nichts gegen Allah, und es wurde gesprochen: Geht ihr beide ins Feuer ein, zusammen mit denen, die (darin) eingehen!“ [66:10]

Ibn Kathir (r.a) sagte zu diesem Vers: Der Grund warum die Frauen von Noah und Lot ins Höllenfeuer eintreten werden ist der Verrat gegenüber ihren Männern. Diese Männer waren keine gewöhnlichen Menschen, sondern Gesandte Gottes. Allah hat sie gesandt, und Allah hat ihnen eingegeben. Diese schwere Bürde, die jeder Prophet trägt, belastet ihn. Die nächste Person der sich die Propheten öffneten waren ihre Frauen. Und so haben sich Noah und Lot ihren Frauen geöffnet. Sie teilten mit ihnen ihre Gedanken, ihre Ängste und ihre Zweifel. Sie lebten mit ihnen am Tag und in der Nacht. Sie waren wie eine Person! Ihre Frauen waren nicht Untreu im Sinne unehelicher Praktiken, sondern verübten Verrat an ihren Männern. Und somit verrieten sie alle Dinge die sie teilten. Schließlich verrieten sie auch das Prophetentum und die Religion und somit auch Allah. Dies ist der Grund für diese gewaltige Strafe.

Der Prophet Muhammed (s.a.s) hat uns in vielen Überlieferungen über das Übel berichtet und uns auf die Konsequenzen dieser Sünde aufmerksam gemacht: Von Abdullah der Sohn von Umar (Allahs Wohlgefallen auf beiden), wird überliefert dass der Gesandte Allahs (sas) sagte: “Es gibt vier (Wesenszüge). Wer sie hat ist zweifellos ein Heuchler, und wer einen von ihnen hat, hat einen Wesenszug der Heuchelei, bis er ihn abgelegt hat: Wenn ihm etwas anvertraut wird, handelt er treulos, wenn er etwas erzählt, lügt er, wenn er etwas verspricht, bricht er sein Versprechen, und wenn er streitet, wird er maßlos (und beleidigend).“ [Quelle: Al-Buchārī ]
Der Prophet (s.a.s) nannte den Verrat das schlimmste Gefolge. Von Abu Huraira wird berichtet dass der Prophet (s.a.s) folgendes Bittgebet sagte: “O Allah, ich suche Zuflucht bei Dir vor dem Hunger; denn Er ist ein übler Begleiter und Bittgenosse, und ich nehme Zuflucht bei Dir vor dem Verrat; denn er ist das schlimmste Gefolge!“

Imran Ibn Hussain (Allahs Wohlgefallen auf beiden) berichtete:

Der Gesandte Allahs (s.a.s) sagte: „Die besten von euch sind diejenigen in meiner Epoche, dann diejenigen, die nach ihnen folgen, dann diejenigen, die nach ihnen folgen, dann diejenigen, die nach ihnen folgen.“ Imran (der Überlieferer) sagte: „Ich weiß nicht, ob er nach seiner Epoche, noch zwei oder drei Epochen nannte.“ Dann fuhr er fort: „Nach ihnen werden Menschen kommen, die als Zuschauer leben und nicht als Märtyrer wirken, und die sich untreu verhalten und nicht vertrauenswürdig sind, und die Gelübde ablegen und diese dann nicht erfüllen. Das Übergewicht wird an ihren Körpern sichtbar sein.“
Abu Huraira (ra) berichtete dass der Gesandte Allahs (s.a.s) sagte: “Wer über mich absichtlich etwas sagt, das nicht stimmt, der soll seinen Platz im Höllenfeuer einnehmen. Und wer ein Urteil über jemanden spricht ohne das Wissen über diese Sache zu haben, der hat die gleiche Sünde begangen wie derjenige über den das Urteil gesprochen wurde. Und wer seinem Bruder einen Ratschlag gibt ohne das richtige Wissen zu haben, der hat ihn verraten.”
Das bedeutet demnach: Wenn man sich vornimmt, etwas Gutes zu tun, indem man seinem Bruder einen Ratschlag gibt, könnte man in diesem Augenblick eventuell eine Sünde begangen haben. Da der Ratschlag zwar gut gemeint ist, allerdings zu etwas Verbotenem führen könnte. Deshalb sagte der Prophet (s.a.s): „… der hat ihn verraten.“

Selbst die Salaf und frühere Gelehrte, haben die Bedeutung von Betrug und Verrat aufgezeigt und die schweren Folgen und Konsequenzen erkannt.

Anas Ibn Malik sagte: “Wenn es in einem Hause Verrat oder Betrug gibt, dann verschwindet die Baraka (Allahs Segen) aus diesem Haus!”
Und Khalid Ar-rabi3i sagte: “Wer sich seiner Taten nicht bewusst ist, dessen anvertrautes Gut wird verraten (sprich Al-Amanah wird zu Al-Khianah) und die Barmherzigkeit ihm gegenüber wird abgeschnitten und seine guten Taten werden zum Unglauben führen.”
Und Mujahid sagte: “Der Betrug, der Schwindel und der Verrat sind im Höllenfeuer und gehören nicht zu den Charakterzügen eines Mu´mins.“
Und Fadil ibn ´iyad sagte: „Die Grundlage des Iman also der Eingang und der Ausgang aus dem Islam ist, nachdem man bezeugt hat dass es keinen Gott gibt außer Allah und dass Muhammad (s.a.s) sein Gesandter ist, sich loszusagen von den unnützen Dingen, die Pflichten anzuerkennen, das Bewahren der anvertrauten Güter und das Vermeiden von Betrug und Verrat, das Einhalten der Verpflichtungen, das Beten um Barmherzigkeit und der gute Ratschlag für alle Muslime.“
Adh-Dhahabiu macht als Beweis dafür auf folgenden Vers aufmerksam: „O ihr, die ihr glaubt, handelt nicht untreu gegenüber Allah und dem Gesandten, noch seid wissentlich untreu in eurer Treuhandschaft.“ [8:27]
Al-Wahidi (r.a) sagte dass diese Ayat herabgesandt wurde aufgrund des Verrats von Abu Lubaba. Abu Lubaba war ein treuer Gefährte des Propheten (s.a.s), bis es zur berühmten Grabenschlacht kam. In dieser Schlacht verübten die Mitglieder des Stammes von Banu Quraidha Verrat an den Propheten (s.a.s). Dies war damals ein Stamm in der Nähe von Medina, die fälschlicherweise vorgaben mit dem Propheten auf derselben Seite zu stehen, um gegen die Leute aus Mekka in die Schlacht zu ziehen. Doch sie fielen dem Propheten anschließend in den Rücken und schlossen sich mit den Leuten aus Mekka an. Die Muslime allerdings gewannen die Schlacht so dass die Leute aus Mekka gezwungen waren sich zurückzuziehen. Daraufhin Belagerte der Prophet mit seinen Gefolgsleuten den Stamm Banu Quraidha. Abu Lubaba wurde als Vermittler zwischen den Parteien herangezogen. Er sagte zu den Mitgliedern des Stammes sie sollen sich dem Urteil Muhammads (s.a.s) ergeben und deutete dabei auf seine Kehle. In diesem Moment verriet Abu Lubaba den Propheten indem er dem Stamm seine Taktik verraten hatte. Er verspürte Reue und band sich in der Moschee an eine Säule fest. Der Prophet kam zum Morgengebet in die Moschee. Er hatte Abu Lubaba verziehen und machte ihn von den Fesseln los. Daraufhin wurde der Vers offenbart: „O ihr, die ihr glaubt, handelt nicht untreu gegenüber Allah und dem Gesandten, noch seid wissentlich untreu in eurer Treuhandschaft.“ [8:27]
Allah sagt außerdem im Koran: “… Allah lässt die List der Verräter nicht gelingen!” [12:52]

Die zahlreichen Überlieferungen haben aufgezeigt, dass der Verrat ein Wesenszug der Heuchler ist. Das Übel der Heuchelei ist uns bereits bekannt. Es ist auch bekannt, dass die Heuchler im tiefsten Teil und damit auch im schlimmsten Teil der Höhle landen werden. Solange der Heuchler eine Gelegenheit findet um Verrat und Betrug zu begehen, wird er diese auch in Betracht ziehen. Viele Menschen sind leichtsinnig in Bezug auf das anvertraute Gut, welches er nimmt. Daher sollte deutlich geworden sein, dass es eine Pflicht ist die anvertraute Sache entsprechend gut zu behandeln.

Allah sagt im Koran: Wir haben (nach Beendigung des Schöpfungswerkes) das Gut (des Heils), das (der Welt) anvertraut werden sollte, (zuerst) dem Himmel, der Erde und den Bergen angetragen. Sie aber weigerten sich, es auf sich zu nehmen, und hatten Angst davor. Doch der Mensch nahm es (ohne Bedenken) auf sich. Er ist ja wirklich frevelhaft und töricht.” [33:72]
Das heißt, den Menschen wurde eine Sache anvertraut mit der wir dementsprechend gut umgehen müssen. Wir müssen dazu stehen auch wenn es manchmal sehr schwer sein kann. Diese Sache ist der Islam. Also müssen wir dementsprechend handeln, und das heißt zunächst müssen wir für unsere eigenen Seelen nach dem Guten streben und dann für die komplette Menschheit. Denn wenn wir das nicht tun, oder mit Absicht unterlassen, so laufen wir Gefahr heuchlerisch zu handeln. Und Allah sagt im nächsten Vers: Allah wird ja nun Heuchler und Heuchlerinnen sowie Götzendiener und Götzendienerinnen bestrafen, jedoch den gläubigen Männern und Frauen sich (gnädig) wieder zuwenden. Er ist barmherzig und bereit zu vergeben.[33:73]
Allah (s.w.t) wird die Menschen zur Rechenschaft ziehen, ob sie bemüht waren die anvertraute Sache (Islam), die er uns auferlegt hat gut zu behandeln oder nicht.
Es sei auch erwähnt, dass man ebenso Verrat gegenüber seiner eigenen Seele betreiben kann. Der Verrat in Bezug auf die eigene Seele ist dann der Fall, wenn man anfängt zu sündigen. Um eine Sünde auszuführen wird immer ein Körperteil in Anspruch genommen. Entweder man sündigt mit der Zunge, indem man etwas Verbotenes ausspricht, oder man sündigt mit den Füßen, indem man einen verbotenen Ort betritt, oder man sündigt mit den Augen indem man etwas Verbotenes betrachtet. Die Seelen des Menschen existierten bevor der Körper erschaffen wurde. Das heißt Allah (s.w.t) hat unserer Seele den Körper gegeben, mit all seinen hoch komplexen aber dennoch funktionierenden Körperteilen. Dies allein ist ein Geschenk von Allah (s.w.t). Wenn wir gesund sind, so müssen wir deshalb umso mehr dankbar sein und nicht die Körperteile zum Schlechten verwenden. Sonst haben wir nicht nur Allah verraten sondern auch unsere Seelen.
Und genauso wie sich mit der Seele verhält, können auch andere Menschen verraten werden. In dieser Hinsicht gibt es unterschiedliche Arten des Verrats bzw. Betrugs.
Betrug in Bezug auf den Besitz anderer Menschen bedeutet nichts anderes als dass man sich weltliche also vergängliche Dinge aneignen möchte. All die Dinge die man sich damit anschafft und nimmt, werden keinen Nutzen bringen sondern man wird nur ein Teil des Höllenfeuers zu sich nehmen. Sei es Essen, Kleidung oder andere Dinge. Wenn man also jemanden betrügt – muss nicht eine einzelne Person betroffen sein – so wird es sein dass alles was danach kommt eine Sünde ist.
Betrug in Bezug darauf ein Geheimnis auszusprechen. Auch das ist natürlich in den meisten Fällen verboten, da dadurch das Vertrauen des Gegenübers gebrochen werden kann. Dies ist also auch ein Teil der Sünden die man mit der Zunge begehen kann. In einem Fall ist dies jedoch nicht verboten, nämlich dann wenn dadurch zur Lösung eines Problems beigetragen wird. Da dies allerdings schwer abzuschätzen ist, wäre es eher angebracht nichts auszusprechen.
Betrug in Bezug auf einen Ratschlag. Wie bereits erwähnt ist dies der Fall, wenn man nicht das nötige Wissen bezüglich einer Sache hat wegen der man den Ratschlag gibt. Die absolute Voraussetzung dafür ist also das nötige Wissen zu haben. Sonst führt der Ratschlag eher zum Schlechten als zum Guten.
Ali (r.a.) brachte diese Angelegenheit mit einfachen Worten auf den Punkt: “Bewahre das anvertraute Gut und stoße den Verrat oder Betrug ab! und handle Gerecht und entferne dich vor der Ungerechtigkeit.” Diesen Ratschlag mit dieser einfachen Wortwahl sollte man sich immer im Kopf behalten.
Das beste Beispiel wie man mit anvertrauten Dingen umgehen soll, ist der Prophet selbst (s.a.s). Bevor er zum Propheten auserkoren wurde, also bevor er mit 40 Jahren die erste Offenbarung empfangen hat, war er bekannt als Al-Amin (der Vertrauenswürdige, der Ehrliche). Alle vertrauten ihm, und viele vertrauten ihm ihre Sachen an. Sogar die Quraisch vertrauten ihm zum Teil immer noch ihre Sachen an, obwohl sie ihn hassten und mit ihm verfeindet waren. Doch diese Eigenschaft der Ehrlichkeit und der Würde des Vertrauens brachten die Menschen dazu ihm bedingungslos zu vertrauen.
Eines Tages war die Moschee in Mekka nach starkem Regen überschwemmt. Die Kaaba wurde alt und brüchig und deshalb beschlossen die Menschen in Mekka diese abzureißen und neu aufzubauen. Jede Familie in der Stadt kümmerte sich um eine Ecke des Wiederaufbaus. Als der schwarze Stein wieder eingesetzt werden sollte, stritten sich die Familien darüber wem die Ehre gebührt diesen wieder richtig einzusetzen. Der Streit wurde so heftig, dass es zu keiner Lösung kam. Da sagte ein Mann: “Der erste Mann der morgen als erstes die Moschee betritt soll zwischen uns richten.” Alle waren einverstanden und warteten die Nacht bis zum Morgen. Irgendwann hörten sie Schritte und sahen einen Mann im Dunklen. Plötzlich freuten sich alle und riefen: Es ist Al-Amin! Es ist Al-Amin! Sie wussten in diesem Moment dass es zu einer gerechten Lösung kommen würde. Prophet Muhammad (s.a.s) war überrascht, dass alle nach ihm riefen. Die Menschen erzählten ihm von ihrem Streit. Muhammad (s.a.s) löste das Problem, indem er den schwarzen Stein in sein Gewand legte und jeder Familie befahl eine Ecke des Gewands zu nehmen. Alle hoben somit gemeinsam den schwarzen Stein an. Muhammad (s.a.s) nahm schließlich den Stein und setzte ihn an seinen Platz zurück.
Solch eine Ehre wurde ihm zuteil, da er vertrauenswürdig unter allen Menschen galt.
Doch die größte Ehre die ihm zuteil wurde, war das Prohpetentum selbst. Diese gewaltige Aufgabe, die zum Teil auch eine schwere Last für ihn war. Dieses absolut mit höchster Priorität anvertraute Gut, welches vom Schöpfer, dem Allmächtigen höchstpersönlich nur auserwählten Menschen vorbehalten ist. Allah (s.w.t) wählt unter den Menschen nur die edelsten und die mit gewaltigem Charakter aus für diese schwere Aufgabe. Der Prophet, war sich seiner Aufgabe bewusst und hat dementsprechend die ihm anvertraute Sache gut behandelt. Er verfügte über genug Stärke um dieser Aufgabe gerecht zu werden.
Nach der Schlacht von Badr, wurde ein Gefährte verraten. Sein Name war Khubaib Ibn Adiya. Die Quraisch, hielten in gefangen und folterten ihn und misshandelten ihn auf die schlimmste Art und Weise. Kurz vor seinem Tod, bat er die Quraisch noch einmal zwei Raka´ zu beten. Anschließend sagte er, bei Allah wenn ich nicht befürchtete dass ihr denkt ich habe Angst vor dem Tod, dann würde ich das Gebet in die Länge ziehen. Daraufhin töteten sie ihn in Anwesenheit vieler Zuschauer, um zu demonstrieren wie gewaltig die Rache an Muslimen ist.
Unter den zahlreichen Zuschauern war ein Junge namens Sa´id Ibn Amir. Er konnte dieses Ereignis nicht mehr vergessen. Später als er Muslim wurde, hatte er sich immer die Stärke und die Gewissheit von Al Khubaib kurz vor seinem Tod vor Augen gehalten. Unter Umar (r.a.) wurde er zum Gouverneur von Homs eingesetzt. Die Menschen in Homs aber sahen in Sa´id nicht einen rechtschaffenen Menschen, und hatten viele schlechte Meinungen über ihn. Umar nahm sich vor die Sache persönlich zu regeln. In Homs angekommen, fragte Umar (r.a.) in seiner Funktion als Kalif die Bewohner sogleich nach ihrem Amir, um nachzuprüfen, ob die Personen, die er als Gouverneure in den verschiedenen Orten eingesetzt hatte, auch gerecht waren. Die Bewohner antworteten direkt: “Wir haben genau vier Beschwerden über unseren Amir, und eine von ihnen ist schlimmer als die andere.”
Der Kalif versammelte am nächsten Morgen alle Bewohner und den Amir, um die Angelegenheit zu klären. Er sprach zu den Bewohnern: “Nennt mir eure Beschwerden.” Sie antworteten: “Die erste ist, dass unser Amir jeden Morgen erst verspätet zu uns kommt.” Umar (r.a.) gab die Begebenheit mit folgenden Worten wieder: “O Sa’id, du hast die Möglichkeit dich zu verteidigen, was sagst du dazu?“ Sa’id Ibn Amir al-Djumahi (r.a.) antwortete: „Bei Allah, ich habe mir gewünscht, dass dies immer ein Geheimnis bleibt, aber da es jetzt nun nötig ist (will ich darüber sprechen). Ich persönlich habe keinen Diener, der mir hilft; so stehe ich früh am Morgen auf und backe das Brot, mache das Essen für meine Familie, bete zwei Rak‘a und gehe dann zu den Muslimen.“
So sagte ich zu den Bewohnern: „Dieser Fall ist geklärt, denn euer Amir ist entschuldigt und kann nichts für seine Verspätungen, so nennt mir eure zweite Beschwerde.“ Sie sagten: „Während der Nacht macht er keinem von uns die Tür auf, und er antwortet uns nicht einmal.“ Ich wandte mich an Sa’id: „O Sa’id, was willst du nun sagen?“ Er schwieg zunächst und sagte dann: „Bei Allah, auch dies wollte ich geheim halten, aber nun muss ich nachgeben: Ich habe meinen Tag für die Menschen bestimmt und die Nacht für Allah (s.w.t) und möchte mich in der Nacht ganz allein ihm zuwenden.“
Erleichtert fragte ich weiter: „Was ist eure dritte Beschwerde?“ Sie entgegneten: „Einmal im Monat jedoch kommt er gar nicht zu uns raus, und keiner von uns hat die Möglichkeit ihn zu kontaktieren.“ So wandte ich mich verwundert an Sa’id, der antwortete: „Bei Allah, ich besitze zum Anziehen nichts anderes als das, was ich auch jetzt anhabe. Und einmal im Monat ziehe ich diese Kleidung aus und wasche sie. So muss ich warten, bis sie trocknet und gehe dann erst zu den Menschen.“
Erleichtert fragte ich weiter: „Nennt mir nun eure letzte Beschwerde.“ Sie sagten: „Ab und zu bekommt er einen Nervenzusammenbruch und verliert ganz plötzlich sein Bewusstsein ohne jeglichen Grund.“ Ich sagte zu Sa’id: „O Sa’id, was willst du nun sagen?“ Er antwortete: „Ich habe erlebt, wie Hubaiba Ibn Adiya (r.a.) umgebracht und aufs Schlimmste misshandelt und gefoltert wurde während meiner Unwissenheit als Kafir. Und ich habe gehört, wie die Quraisch ihn fragten: „Wäre es dir nicht lieber, dass Muhammad (s.a.s) an deiner Stelle wäre, während du selbst bei deiner Frau und den Kindern bist?“, und er als Antwort daraufhin sagte: „Bei Allah, mir wäre es nicht einmal lieber, dass ich zu Hause mit meiner Familie zusammensitze, wenn Muhammad (s.a.s) auch nur ein Dorn stechen würde!“ Und immer, wenn ich daran denke und weiß, dass ich ihm in diesem Moment nicht geholfen habe, denke ich, dass Allah mir niemals verzeiht, und verliere augenblicklich mein Bewusstsein.”
Nach diesen Klarstellungen wurde Sa´id schließlich als Vertrauenswürdig und Ehrlich anerkannt.

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