Die Form Der Khutbah

Geehrte Geschwister
Allah hat der Menschheit in allen Bereichen des Lebens eine Rechtleitung bestimmt, besonders im Bezug auf den fünf Säulen des Islam. Im Islam gibt es vorgeschriebene Rituale, die von Generation zu Generation erhalten werden sollen und unabhängig von äusseren Umständen gleich bleiben müssen. Die Art und Weise des Gebets zum Beispiel wird immer dieselbe Art und Weise des Gebets bleiben, selbst wenn man sich auf einer Reise begibt, krank geworden ist oder man sich inmitten eines Krisengebietes befindet. Gleichsam verhält es sich mit der Art und Weise des Fastens oder der Vollbringung der Hadsch. Die Form der Rituale soll geradlinig fortgesetzt werden unabhängig davon wie sich das soziale oder politische Klima in der Umwelt entwickelt. Die Essenz dieser Rituale darf nicht verfälscht werden wegen äusserem Druck oder Einfluss.
Geehrte Geschwister in der Religion auch die Khutbah am Freitag ist eines dieser festgesetzten Rituale. Wenn wir unseren Glauben aufrichtig umsetzen, sollten die Khutab von heute gleich sein wie die Khutab von damals. Zumindest in ihrer Essenz sollten die Khutab zu allen Zeiten gleich sein . Doch ein ehrlicher Vergleich am Beispiel dieses Rituals zeigt uns auf, wie weit weg wir uns von der Methode des Propheten s.a.v.s. distanziert haben.
In Madinah stand der Prophet s.a.v.s. kontinuierlich persönlichen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Problemen gegenüber. Und er s.v.a.s. setzte sich tagtäglich mit der Lösung dieser Probleme auseinander. Wobei wohlangemerkt wurde die Khutbah am Freitag nicht als Forum (öffentliche Diskussion) für diese tägliche Probleme genutzt. Denn Allah sagt: Oh ihr die ihr den Iman verinnerlicht habt, wenn am Freitag zum Gebet gerufen wird, dann eilt herbei zum Gedenken Allahs und verlasst den Handel. Das ist besser für euch, wenn ihr es nur mit Gewissheit wüsstet.
Dieser Vers befiehlt uns die Arbeit bei Seite zu legen, obwohl der Handel zu unserem Alltag gehört und halal ist. Wir werden dazu angehalten unsere Arbeit mit dem Gottgedenken aus zu tauschen, um mit Allah in Kontakt zu treten. Es ist einfach nachweisbar, dass dieses Ritual eine rein spirituelle Tat beinhaltete (Dhikr) und es wurde nicht als Forum instrumentalisiert um wirtschaftliche, gsellschaftliche oder politische Probleme zu thematisieren. Und das obwohl auch zur Zeit des Propheten Allahs s.a.v.s. diese Probleme tagtäglich auftauchten.
Gewöhnlicher Weise verlängerte der Prophet s.a.v.s. die Gebetszeit so, dass es länger dauerte als die Zeit für die Freitagspredigt. Während diesen Gebeten rezitierte er s.a.v.s. oft die Surah (87) Al Ala oder die Surah (88) Al Ghashiyah. Das leuchtet ein, doch überlegt euch einmal konkret wie lange das Freitagsgebet war, falls seine Khutbah dreissig Minuten dauerte?
Wenn wir uns das Leben der vier rechtgeleiteten Imame lesen, können wir dieselbe Umsetzung dieses Rituals auch beobachten. Obwohl alle vier Imame in politisch erdrückenden Epochen wirkten, sehen wir, dass sie niemals die Khutbah als ein öffentliches Forum für die Vermittlung ihrer persönlichen und politischen Meinung instrumentalisierten. Imam Abu Hanifah wurde sogar verhaftet und ins Gefängnis gesperrt und vergiftet wegen seiner politischen Meinung gegen die zeitgenössischen Herrschaft. Aber er hat jedoch zu seinen Lebzeiten nie die öffentliche Freitagspredigt zum Gegenstand einer politischen Problematik gemacht. Auch Imam Malik wurde von seinem damaligen Regierung verfolgt, doch er weigerte sich die Khutbah als Predigt für Politik zu missbrauchen. Selbst Imam Ahmad, Allahs Wohlgefallen auf ihnen allen, wurde im Gefängnis verhört und gefoltert wegen seiner privaten Einstellung zur Regierung, doch er benutzte nie die Freitagspredigt um gegen die gezielten Ungerechtigkeiten gegen seine Person zu thematisieren.
Ganz im Gegenteil verehrte Geschwister im Islam. Keiner von diesen vorbildlichen Imamen kam zur Einsicht, dass ein zeitgenössisch, brennendes Thema in der Gesellschaft zum Gegenstand der Freitagspredigt gemacht werden sollte. Wie zum Beginn definiert, bleibt die Form und der Zweck eines islamischen Rituals immer das Gleiche unabhängig davon wie sich äussere Faktoren in der Gesellschaft entwickeln. Das Ritual der Khutbah bleibt also unverändert in seiner Form, während die Zeit vergehen und verfliessen darf. Alles andere wäre etwas was der Prophet s.a.v.s. nicht getan hat und somit eine Zwecks Entfremdung. Allah hat ein ganzes Kapitel (Surah 62) dafür herabgesandt, worin eindeutig hervorgeht, dass die Moscheegemeinde sich dem Gedenken Allahs zuwenden soll während der Zeit am Freitagsritual. Und für die Thematisierung der anderen Bedürfnisse bzw. Probleme der Menschen sollen andere Zeitfenster gesucht werden, die eine richtige Lösungsfindung erlauben in unserer Zeit.
Anmerkungen
1.
Abgesehen von der Abschiedspredigt des Propheten Allahs s.a.v.s. hat es nachweisbar keine Khutbah gegeben, die alle Ebenen des Lebens umfassend thematisiert hat an einem Freitag. Man muss hier jedoch hinzufügen, dass der Prophet s.a.v.s. diese Predigt am Tag des Arafat gemacht hat und dann bot er s.a.v.s. Bilal r.a. dazu auf den Adhan zu rufen. Die Gemeinde betete Dhuhur und Asr zusammen an jenem Tag und es gab kein klassisches Freitagsgebet, wie es sonst üblich war.
2.
Es wird berichtet, dass ein Mann zum Propheten s.a.v.s. kam und ihn vor der Khutbah darum bat für Regen Dua zu machen. Madinah war zu damaligen Zeit geplagt von monatelangen Regenausfall. Der Prophet s.a.v.s. tat es und es regnete über die ganze Woche hinweg. Derselbe Gefährte des Propheten s.a.v.s. kam nochmals vor der Khutbah auf ihn a.s. zu und bat eine Dua zu sprechen, damit der Regen aufhört. Der Prophet s.a.v.s. berücksichtige auch diesmal seinen Wunsch und bald legte sich der Regen wieder. Allah direkt um Hilfe zu bitten während einer Khutbah gehört also auch zur Sunnah. Das Bitten um Hilfe zu Allah und die Thematisierung einer Sache sind zwei Paar verschiedene Schuhe.
Coopyright 2001 Scheich Mohammad Amin Kholwadia

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