Ziviles Engagement

Das Folgende ist eine Mitschrift von Shayk Yaser Birjas Khutbah (Predigt) über das Thema „Ziviles Engagement“, welche leichte Abänderungen der Lesbarkeit und Klarheit wegen beinhaltet. Ferner hat der Übersetzer versucht, die von Shaykh Yaser erwähnte Situation Amerikas so gut wie möglich auf Deutschland zu übertragen, sodass der Kontext hier stimmen mag.
Meine lieben Brüder und Schwestern im Islam, als Muslim ist es sehr wichtig, das, was eigentlich um einen herum geschieht, mitzuverfolgen und daraus zu lernen. Heutzutage leben wir in einer medialen Welt, die uns es sogar total bequem macht, dieser Wichtigkeit nachgehen zu können. Mit einem Klick landen wir auf der nächsten Nachrichtenseite, die gerade mit neusten Überschriften um sich wirft, wie z.B., dass eine weitere PEGiDA-Demonstration stattgefunden hat, „radikale Muslime“ einen Kiosk gestürmt haben oder verantwortlich für die German-Wings-Tragödie sind.
Wie kann das sein?
Bei Allah, es ist so traurig, dass in den zehn Jahren seit dem tragischen Ereignisses des 11. Septembers viele Muslime ihr Bestes versucht haben, den Vorurteilen ein Ende zu setzen und scheinbar bis heute kläglich daran gescheitert sind. Da sich unsere Gemeinde stark aus Immigranten zusammensetzt und diese vor allem in Führungspositionen vertreten sind, werden wir, egal was wir auch tun und wie wir versuchen, es zu tun, in den Augen des Durchschnittsdeutschen immer als fremd angesehen. Der Islam kam fremd und wird fremd gehen, so hat es unser geliebter Prophet, Frieden und Segen auf ihm, schon prophezeit. Trotzdem bedeutet das nicht, dass wir eine Parallelgesellschaft etablieren sollen, mit der wir unserem Image als „Fremde“ nur noch mehr Gehalt geben. Wenn wir das tun, dann brauchen wir uns nicht wundern, dass die Leute bei derartigen Überschriften innehalten, anstatt dass sie diese überlesen und ohne Weiteres als Medienhetze gegen uns Muslime bewerten.
Alhamdulillah, gibt es immer noch Leute, nicht-Muslime, die sich gegen derartige Vorwürfe einsetzen und sich den Trends in unserer Gesellschaft gewissenhaft nicht beugen, aber wenn man einmal darüber nachdenkt und die Muslimische Gemeinde von innen überprüft – dann kann ich ehrlich gesagt manchmal nicht anders, als die Schuld für solche Überschriften den Muslimen selbst zuweisen. Wieso? Weil die Muslimische Gemeinde bis zu diesem Tag nicht das Niveau erreicht hat, das von ihr erwartet wird – nämlich dort, wo sie sich aktiv in der zivilen Gesellschaft auf die bestmögliche Weise engagiert.
Aber wisst ihr was? Ihr und ich und jeder andere Muslim kann dabei helfen, dieses Niveau zu erreichen! Und wie? Indem wir zunächst alle kleine individuelle Schritte tätigen, um am Ende ein Ganzes zu erreichen.
Somit fordere ich euch auf: Überprüft euch selbst und euer eigenes Protokoll. Vergesst die Muslimische Gemeinde und die Islamischen Zentren erst einmal. Werft einen Blick in eure individuelle und persönliche Akte.
Wie oft hilfst du in der Gemeinde mit, ob es in der Bücherei oder an öffentlichen Veranstaltungen ist oder etwas anderes, das für die Gemeinde und Gesellschaft von Nutzen ist? Wie viele Kundgebungen haben die Muslime in dieser Gemeinde veranstaltet?
Es findet zwar nahezu jedes Wochenende eine Kundgebung in der Innenstadt statt, aber wozu? Für einen legitimen Grund, der dennoch fern liegt: für Ägypten, Tunesien, Libyen, für Gaza und so weiter. Aber wenn ich die muslimische Gemeinde danach frage, wie oft sie einer Kundgebung beigewohnt haben, um dabei zu helfen, Dinge wie eine Gesundheitsreform in der eigenen, örtlichen Gemeinde zu unterstützen, dann stoße ich auf Stille.
Ich sage nicht, dass es wichtiger ist, Kundgebungen beizuwohnen, die die unmittelbare Nachbarschaft betreffen, als dass sie mit unseren Geschwistern in den Kriegsgebieten zu tun haben. Mein Argument ist nur dieses, dass man Prioritäten setzen muss und erst einmal vor seiner eigenen Haustür kehren muss, anstatt dieser den Rücken zu kehren und nach Syrien oder woandershin in den Krieg zu ziehen. Wenn du etwas ändern willst, dann fange bei dir und deinem Nächsten an! Allah ändert nicht den Zustand eines Volkes, bis es sich nicht selbst ändert. So steht es geschrieben.
Was ist denn mit dem öffentlichen Schulsystem, den Schulen und der Bildung eurer eigenen Kinder in der westlichen Gesellschaft? Habt ihr noch nicht von der Debatte über den Sexualkundeunterricht in Kindergärten sowie Grundschulen mitbekommen? Kümmert euch das denn gar nicht? Und was ist mit anderen Dingen, die sehr wichtig für eure eigene Gemeinde sind? Wie viele von uns haben sich an solchen Veranstaltungen, Reformen oder Debatten beteiligt? Ich fragte herum und leider kann ich nicht wirklich viele Leute finden, die diese Dinge tun. Und genau aus diesem Grund werden wir bis zum heutigen Tag immer als Ausländer oder eine fremde Gemeinde angesehen.
Und der Grund, wieso ich das sage, ist, dass ich glaube, dass wenn die Muslime eine Zukunft für sich in dieser Gesellschaft aufbauen wollen, es in ihren Händen liegt, diese Art von Anhörungen lächerlich in den Augen des Durchschnittsdeutschen aussehen zu lassen, da dieser wissen würde, wer die Muslime wirklich sind. Und wie wir das machen können, darum soll es heute gehen!
Wenn Zeitungsüberschriften wie diese Schlagzeilen machen und die Deutschen jedoch schon so viele, mashAllah, schöne Begegnungen mit Leuten aus der Muslimischen Gemeinde auf fast jedem Gebiet hätten: Schule, Bildung und allgemein die Stadt betreffend, und wenn sie diese Art von Engagement überall sehen und dann von diesen Schlagzeilen mitkriegen würden, dann würden sie darüber lachen, nicht? Wieso? Weil sie wissen würden, dass es alles nicht der Wahrheit entspricht, dass Muslime (und ich rede nicht von dem „theoretischen Muslim“, sondern dem Praktizierenden!) in Wahrheit ganz anders sind. „Wie kann das sein, wenn wir diese Leute doch kennen und immer um uns haben?“ – solche Fragen, würden sie sich stellen.
Ich weiß, dass wir, alhamdulillahi rabbi’l-‘alameen, wahnsinns-tolle individuelle Erfolgsgeschichten in der Muslimischen Gemeinde haben. Wir haben erfolgreiche Doktoren, erfolgreiche Ingenieure, erfolgreiche Lehrer, alhamdulillah, und wir sind auf nahezu jedem Lebensgebiet erfolgreich. Wir haben so viele erfolgreiche Geschäftsleute in dieser Gesellschaft, aber das alles sind individuelle Erfolgsgeschichten und man kann sie nicht zusammenwürfeln, damit sie ein ein ganzheitliches Bild der Muslimischen Gemeinde ergeben. Wir haben so viele Erfolgsgeschichten, aber sie können nicht als kollektive Erfolgsgeschichte für die gesamte Muslimische Gemeinde zusammengetragen werden. Wenn also morgen jemand darüber reden würde, was die Muslimische Gemeinde zur lokalen Gemeinde beigetragen hat, dann solltest du sagen können, dass wir ein wunderbares Protokoll vorweisen können. Das soll unser Ziel sein.
Wenn ich aber von aktiver Beteiligung in und an der Gesellschaft rede, dann meine ich damit nicht Presseprotokolle, die einige Aktivitäten der Muslime hier und da erwähnen, bloß um zu zeigen, dass wir etwas getan haben. Ich rede von ehrlicher, aufrichtiger Beteiligung daran, der Gesellschaft ein Nutzen zu sein. Der Beste von uns ist der, der am nützlichsten für die Gesellschaft ist. Das hat unser geliebter Prophet; Frieden und Segen auf ihm, gesagt!
Und nochmals: der Grund, wieso ich das sage, ist, dass ich glaube, dass es als Muslime unsere Verantwortung ist, nicht nur, weil wir hier als eine Minderheit leben, sondern weil es in unserem Leben als Muslime unsere Pflicht ist, dieses zivile Leben in die Welt zu bringen, und das war die Sunnah des Propheten (sal Allahu ‘alayhi wa sallam). In diesen wenigen Minuten möchte ich einige Beispiele des Propheten (sal Allahu ‘alayhi wa sallam) in Hinblick auf ziviles Engagement in der Gesellschaft teilen, und wir werden sehen, wie großartig diese Mitwirkung in allen Aspekten des Lebens war. Einige der Beteiligungen von Rasulullah (sal Allahu ‘alayhi wa sallam) in der zivilen Gesellschaft wurden sogar vor dem Aufbau der medinesischen Gesellschaft von ihm getätigt.
Hier ist Rasulullah (sal Allahu ‘alayhi wa sallam): Bevor er (sal Allahu ‘alayhi wa sallam) zunächst nach Madinah auswanderte, traf er eine Gruppe von Leuten, die selber aus Madinah kam und er hatte eine Vereinbarung mit ihnen, die wir unter dem Namen Bayah Al-‘Aqaba Al-Kubra and Bayah Al-‘Aqaba Al-Sughra kennen. Der kleinere Treueeid bestand in einem Treffen an einer Brücke während der Hajj-Saison, wo der Prophet (sal Allahu ‘alayhi wa sallam) sich mit den Leuten traf und einen Vertrag mit ihnen aushandelte. Dieser hielt fest, dass er in ihre Gegend umziehen würde und sie im Gegenzug seinen Anlass unterstützen und eine Gesellschaft aufbauen würden, die auf den Prinzipien basierte, die er zu ihnen brachte. Sie gaben ihm noch vor der Staatsgründung ihren Eid.
Was zeigt uns das?
Um ein ziviles Engagement zu leisten und eine Zivilgesellschaft zu gründen, musst du nicht schon einen Staat haben. Die Leute können beides sogar in Krisenzeiten tun. Sieh dir Ägypten oder Libyen an. Schau dir ein Land wie Tunesien an. Während Krisenzeiten gründen viele Leute ihre eigenen Zivilgemeinden und -institutionen um Einheimische zu versorgen. Schau Afghanistan und den Irak an, und andere Orte in der Welt. Jeden Tag, wenn dort eine Krise eintrifft, gibt es Leute, die als erstes vortreten, um anderen zu helfen. Das ist ein Zeichen einer gesunden Zivilgemeinde. Rasulullah (sal Allahu’alayhi wa sallam) begründete diese Verhaltensweise, noch bevor er den medinensischen Staat gründete.
Als er nach Madinah auswanderte, fing der Prophet (sal Allahu ‘alayhi wa sallam) an, seine Bestrebungen auszurichten. Er machte es für jeden Muslim zur Pflicht, dem Staat von Badawa den Rücken zu kehren, was gleichzeitig bedeutete, das Leben als Beduine in der Wüste zu verabschieden und zur Hijrah (Auswanderung) nach Madinah aufzubrechen, bis Makkah erobert sein würde, um so lange in Madinah ein neues Leben in einer Zivilgesellschaft zu beginnen und zu führen. Die Gesellschaft weitete sich aus, anstatt nur in einer örtlichen Stadt wie Madinah oder Yathrib in sich gekehrt zu bleiben.
Der Prophet (sal Allahu ‘alayhi wa sallam) rief die Leute zusammen, um eine Gesellschaft zu gründen. „Kommt zusammen, sodass wir alle miteinander eine Gemeinde aufbauen können.“ Sogar Allah (subhanahu wata’ala) redet von den Beduinen und denjenigen, die nicht in diese Art von strukturierten, zivilen Gesellschaft leben. “Die Beduinen / Leute der Wüste / Nomaden sind anfälliger für Kufr (Unglauben) und Heuchelei.” Wieso das? Weil sie nichts von einem geordneten System halten. Viele Leute, nicht nur Muslime, leben heute noch wie Beduinen und Nomaden und glauben an das Konzept eines anarchischen Staates, obwohl sie in Städten und Stadtgebieten ansässig sind. Der Qur’an und die Sunnah des Propheten (sal Allahu ‘alayhi wa sallam) hingegen, fördern Zivilgesellschaften sowie ziviles Engagement.
Als Rasulullah (sal Allahu ‘alayhi wa sallam) dann in Madinah eintraf, gründete er ein sehr wichtiges Prinzip, von dem die Leute zuvor noch nie etwas gehört hatten: Shurah. Es ist das Prinzip des gegenseitigen Beratens. Basierend worauf? Basierend auf der Stichhaltigkeit der eigenen Meinung an Stelle von der Macht und Stärke der Lobby, Interessen zu fördern. Hier ist Rasulullah (sal Allahu ‘alayhi wa sallam), wie er diesen Befehl gebot, sogar als er in Makkah war.
In Sure Al-Shurah beschreibt Allah (subhanahu wata’ala) die Angehörigen des Islam, die Anhänger Muhammads (sal Allahu ‘alayhi wa sallam) wie folgt: “und diejenigen, die auf ihren Herrn hören und das Gebet verrichten, ihre Angelegenheit(en) durch Beratung untereinander (regeln) (…)” 42:38 Obwohl sie noch in Madinah waren und es keine Spuren einer Gesellschaft jeglicher Art gab und sie obendrein unterdrückt und gejagt wurden, erlegte Allah ihnen nichtsdestotrotz die Pflicht auf, dass es niemandem von ihnen gestattet war, individuelle Entscheidungen zu treffen, die die Lebensgrundlage der gesamten Gemeinde und Gesellschaft beeinflussen würde. Als sie nach Madinah gingen, offenbarte Allah (subhanahu wata’ala) die Ayah (Vers) in Surah Ale-‘Imran: „…und ziehe sie in den Angelegenheiten zu Rate“ (3:159)
Sogar Muhammad (sal Allahu ‘alayhi wa sallam), dem göttliche Rechtleitung von Allah – ‘azza wa jall – obliegte und dementsprechend ein echtes Talent im Treffen von Entscheidungen war, wurde dennoch angewiesen, die Person zu sein, die beriet und sich mit anderen berät, um den Vorrang dieses Prinzips zu demonstrieren, dass du immer die Leute um dich herum fragen und ihre Meinungen mitnehmen sollst.
Als der Prophet(sal Allahu ‘alayhi wa sallam) nach Madinah kam, bestand eines der Grundsätze der Zivilgesellschaft darin, Institutionen und Dinge zu gründen, auf die die Leute stolz sein können, dass sie der Gemeinde nutzen würden. In dem Moment, als er (sal Allahu ‘alayhi wa sallam) eintraf, hielt er sich für einige Zeit als Gast im Hause von Abu Ayyub Al-Ansari (radhiyAllahu ‘anhu) auf und verordnete dann den Aufbau der ersten Institution in der Geschichte des Islam: Masjid An-Nabaway (sal Allahu ‘alayhi wa sallam), die Moschee des Gesandten Allahs (sal Allahu ‘alayhi wa sallam).
In vielen muslimischen Gemeinden gelten die Moscheen leider „nur“ als eine Gebetsstätte, doch hier in Deutschland ist ihr Stellenwert viel näher an der Moschee des Gesandten Allahs (sal Allahu ‘alayhi wa sallam) im Hinblick auf die Rolle und Funktion, eine Sammelstätte für die Muslime in Mitten der örtlichen Gemeinde zu sein. In ihr finden so viele Dinge statt. Sie ist ein Ort der Bildung und des Gottesdienstes und wie eine Art zweites zu Hause für die Muslime. Sie empfinden Trost, sobald sie diese Orte betreten, weil an ihnen immer etwas für sie stattfindet. Sogar wenn sie Streitigkeiten haben, kommen sie zu uns in die Moschee und fragen nach unserer Meinung. Das war die Rolle der Institution zu Zeiten des Propheten (sal Allahu ‘alayhi wa sallam). Heutzutage in einer Gesellschaft wie unserer sind all diese Institutionen eigenständig und unabhängig geworden, doch trotzdem, glaubst du als Muslim zumindest noch an die Rolle dieser Institutionen.
Man hat schon von politischen Debatten mitbekommen, dass es zu viele Moscheen in westlichen Ländern gäbe; und zwar mit der Begründung, dass sie eine Quelle der Radikalisierung darstellen. Doch du und ich kennen den Zweck der Moscheen: nämlich den Grundsatz der Zivilisierung und des zivilen Lebens der Gemeinde näher zu bringen.
Wie viele Moscheen hast du in deinem Leben schon außerhalb deiner Stadt besucht, die alle ein- und dieselbe wunderschöne Funktion haben, nämlich, die Gemeinde zu erreichen, auszuhelfen und wie ein zu Hause für andere zu sein? Es ist eine verwunderliche Sache, wie sie den Wachstum bzw. die Zunahme dieser islamischen Institutionen missinterpretieren.
Der Gesandte (sal Allahu ‘alayhi wa sallam) vergewisserte sich auch, gemäß der individuellen Rolle eines jeden Muslims, dass du den Regeln folgst. Du folgst den Regeln und bringst alle anderen auch dazu, die Regeln zu befolgen. Er (sal Allahu ‘alayhi wa sallam) sagte: “Der Deen ist Aufrichtigkeit.” Es geht nicht nur um das Geben von Ratschlägen, sondern darum, dass du aufrichtig bist, wenn du mit Leuten interagierst.
Sie fragten: „Wem gegenüber, o Rasulullah?”
„Als allererstes gegenüber Allah (subhanahu wata’ala).” Dies bedeutet, dass wenn du an – Allah’azza wa jall – glaubst, du aufrichtig an Ihn (subhanahu wata’ala) glaubst.
“Gegenüber Seinem Gesandten.” Du folgst aufrichtig dem Beispiel Muhammads (sal Allahu ‘alayhi wa sallam) und glaubst an ihn.
“…und gegenüber den Führern deiner eigenen Gemeinde und dem Durchschnittsmenschen.” Wir als Individuen befürworten es, sicherzustellen, dass wir im Umgang miteinander aufrichtig sind.
Der Gesandte Allahs (sal Allahu ‘alayhi wa sallam) lehrte einen Mann, der sich darüber beschwerte, dass die Leute ihn immerzu betrügen, da sie von ihm glaubten, er sei locker und er lässt die Dinge durchgehen. Der Prophet (sal Allahu alayhi wa sallam) sagte ihm, dass wann auch immer er mit den Leuten zu tun hat, er ihnen sagen soll: „Es darf keinen Betrug geben.” Erinnere sie, Allah (subhanahu wata’ala) zu fürchten und verkehre mit ihnen in ehrlicher und aufrichtiger Weise. Als Muslime ist dies unsere Verantwortung, nicht nur im Bezug auf die muslimische Gesellschaft, sondern mit jedermann.
Wenn du weißt, dass etwas ungerechtes und falsches von Statten geht, dann liegt es an dir, dafür aufzustehen und das Leiden anderer zu erleichtern und zu lindern. Und wenn etwas Gutes geschieht, dann stehst du trotzdem auf und dankst dafür und förderst es. Dies ist einer der fundamentalen Grundsätze des Islams: das Gute gewähren und das Schlechte verbieten. Woraus sonst besteht ziviles Engagement? Aus nichts anderem. Wenn es eine Klage oder Beschwerde gibt, dann bist du die erste Person, die für deine Rechte auf richtige Weise eintritt. Es geht nicht nur darum, dass man sich beschwert, wenn etwas schlecht ist. Wo bist du, wenn es viele gute Dinge gibt, die man preisen und deiner lokalen Gemeinde empfehlen kann? Wenn du an den Leitsatz „das Gute gewähren und das Schlechte verbieten“ denkst, dann siehe es nicht nur als Islamischen Grundsatz unter den Muslimen. Du kannst und sollst auch außerhalb dessen die Person sein, die etwas Gutes für die gesamte Gemeinschaft und Gesellschaft fördert.
Allah sagt über das Gute gewähren und das Schlechte verbieten, dass es ein Teil des Islamischen Rechts ist. Wir glauben daran. Aus diesem Grund basierte die Gesellschaft zu Zeiten von Rasulullah (sal Allahu alayhi wa sallam) auf diesem Prinzip und dabei geht es schlichtweg darum, dass es immer Leute gibt, die die Erfüllung dieser Verpflichtungen beobachten und überwachen. Es ist ein Rechtsgrundsatz. Man strukturiert das System und die gesamte Gesellschaft. Allah (subhanahu wata’ala) bevorzugte diese Ummah aufgrund dieser Qualität.
Allah (subhanahu wata’ala) sagte: “Und es soll aus euch eine Gemeinschaft werden, die zum Guten aufruft, das Rechte gebietet und das Verwerfliche verbietet. 3:104” Dies ist eine der Eigenschaften der Muslime und der Muslimischen Ummah. Sie ist gültig, wo auch immer du dich befindest. Du bist sowohl als Individuum, als auch als Teil der Gesellschaft dafür verantwortlich, das Gute auf die bestmögliche Weise zu fördern und auf dieselbe Weise das Schlechte zu verbieten.
Wenn wir an eine vielfältigen Gemeinschaft, wie es unsere ist, denken, dann folgt jetzt eine der großartigsten Grundsätze im Islam: Die Akzeptanz der Vielfältigkeit, sprich: Das Tolerieren von diversen Hautfarben, Volkszugehörigkeiten, Stammesunterschieden und dem Hinwegsehen über diese Angelegenheiten als Grundsatz zur Liebe.
Die Stärke der muslimischen Gemeinschaft hatte sie ihrer Vielfältigkeit zu verdanken. Sie war eine sehr dynamische Gemeinschaft, subhanAllah. Manche Länder sind aufgrund der Anzahl an Migranten viel näher an der frühen muslimischen Gemeinschaft Madinahs als es womöglich viele muslimische Gemeinden heutzutage sind. Du als Teil der muslimischen Gemeinde jedoch kannst eine entscheidende Rolle für ihre erneute Stärkung spielen.
Ehrenamtliche Tätigkeit: Als die Sahabah (radhiyAllahu ‘anhum) den Islam annahmen, wurden sie zu den ersten ehrenamtlich Aushelfenden in der Geschichte des Islams und den Muslimen. Sie opferten für diesen Zweck ihre Zeit, ihren Besitz und ihr Geld – und dies sogar dann, wenn sie es am meisten gebraucht hätten. Wenn sie Geld bitter nötig hatten, dann gaben sie es trotzdem her. Sie gaben es fisabilillah, auf dem und für den Wege Allahs her. Allah (subhanahu wata’ala) sagt über sie: “und sie ziehen (sie) sich selbst vor, auch wenn sie selbst Mangel erlitten. 59:9” Wieso? Weil es andere zur Zeit nötiger hatten, als sie selbst, und so gaben sie es her, was ein wunderschönes Prinzip ist.
Sie boten ihre Zeit, ihre Bemühungen und viele weitere Dinge aus freien Stücken. Wie viele von uns gehen ihrem Beispiel nach, in erster Linie in Zusammenhang mit unseren eigenen muslimischen Gemeinden und Zentren? Wie viele von uns helfen in unseren Einrichtungen aus, ganz zu Schweigen von der öffentlichen Bibliothek, dem Krankenhaus oder irgendwo sonst, wo es dringend Hilfe und Unterstützung in dieser Gemeinde benötigt? Wenn wir das nicht tun, dann mangelt es uns ganz schön an Beweisen, dass diese Gemeinschaft tatsächlich eine der zivilisiertesten, schönsten und strukturiertesten Gemeinschaften innerhalb der gesamten Gesellschaft sein kann.
Wie wir sehen mangelt es der Muslimischen Gemeinschaft, alhamdulillahi rabbi’l-‘alameen, nicht an jeglicher Art von Tatkraft, Hilfsquellen, Enthusiasmus, Grundsätzen, Loyalität,… such es dir aus, es mangelt ihr nicht daran. Doch leider fehlt es ihr an einer Richtung. Die Richtung, die du hast. Du weißt, wohin du gehen musst und alles, was du tun brauchst, ist, nur dorthin zu gehen und nachzufragen. Frage und wir werden dir helfen und assistieren insha’Allah tabaraka wa ta’ala, damit wir der Welt beweisen können, dass die Muslime definitiv ein großes Plus für jede Zivilisation und jede Gegend sein können.
So wahr ich hier auf dieser Minbar stehe, ob als Imam oder als Mitglied dieser Gemeinde, fordere ich jeden einzelnen von euch, ob Mann oder Frau, und mich selbst dazu auf, unseren Teil zu dieser Gesellschaft beizutragen, an erster Stelle innerhalb unserer eigenen Gemeinde und Islamischen Zentren sowie unseren eigenen Familie und dann zur gesamten Gesellschaft.
Ich ermutige die Leute, aufzustehen und zu versuchen, mit ihrer Zeit auszuhelfen, und wenn ich ‘aushelfen’ sage, dann muss es noch lange nicht deinen Deen beeinträchtigen, nur damit die Leute Muslime sehen, wie sie in ihren Institutionen helfen. Nein, du kannst immer noch so sein, wie du bist, während du anderen freiwillig aushilfst und assistierst. Du musst nicht dein Aussehen verändern, um akzeptiert zu werden. Du kannst dieselbe Person bleiben, doch mit deinem Geist, deinem Akhlaq und deinem Benehmen können sie einen riesigen Unterschied zu dem bemerken, was sie über dich hören und was sie in deinem Charakter und deiner Praxis sehen.
Also ermutige ich jeden von euch, nach ehrenamtlichen Aushilfestellen zu suchen. Lasst uns mit etwas einfachem beginnen. Wenn eure Kinder in eine Schule gehen (und ich bin mir sicher, dass wenn ihr Kinder habt, sie in eine Schule gehen), dann helft an deren Schule als Elternteile aus. Wenn ihr Zeit habt, und ich bin mir sicher, dass ihr euch diese nehmen könnt, dann steht auf und beteiligt auch ehrenamtlich. Woran? Das könnt ihr nur herausfinden, indem ihr bei ihnen nachfragt. Sagt ihnen: „Ich weiß, dass ihr nach Aushilfen sucht, also wie kann ich euch behilflich sein? Ich kann einmal die Woche für eine Stunde kommen, zwei Stunden die Woche oder mehr oder weniger.“ Das spielt keine Rolle. Hauptsache ihr tut es! Wir tun es! Und wenn es euch peinlich ist, dass ihr alleine dasteht, dann schließt euch mit anderen Elternteilen zusammen, deren Kinder die gleiche Schule besuchen. Langsam aber sicher könnt ihr ein Teil des Vorstandes und der Kommune werden. Bi’idhnillah bringt ihr Gutes und gute Grundsätze in die Gemeinde, wo viele Leute aus der ganzen Nachbarschaft hingehen und anwesend sein werden.
Es wäre wirklich sehr gut, wenn einige Muslime sich ab und zu an Wochenenden aushelfen würden. Krankenhäuser benötigen auch Aushilfen. Letztlich mag jeder Teil deiner Gemeinde Aushilfen benötigen. Sogar die Stadt. Wenn du dort nachfragst wirst du sicher einen Bereich finden. Gehe einfach hin und sei stolz darauf, wer du als Muslim bist.
Bei Allah, wenn jeder das tut, dann garantiere ich euch, dass ihr keinen Überschriften wie „ Radikalisierung der Muslime“ mehr begegnen werdet, da die Leute nunmehr wissen, dass es es nicht auf die Verantwortung der Muslime gewachsen ist, sondern auf die der ganzen Gesellschaft. Doch eine spezifische Gruppe dafür anzuprangern ist definitiv ein absurder und unakzeptabler Vorschlag. Kurzum: Als muslimische Gemeinde können wir einen grundlegenden Unterschied machen und das ganz einfach durch unsere eigenen Taten!

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